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Caroline Ouederrou

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Tibetischer Buddhismus

Cultural Alphabet Ladakh – G wie Gompa

G wie Gompa

„Gompa“ heißt Kloster. Und die Klöster sind für Ladakh so charakteristisch wie die Bergketten und schneebedeckten Gipfel – und genauso bezaubernd und wunderschön! Entlang des gesamten Industals ragen sie immer wieder märchenhaft auf Hügeln in den Himmel, umgeben von unzähligen Chörten und Manimauern. So bringt ein jedes Kloster Segen über den dazugehörigen Ort!

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Kloster Thiksey, auch Klein Potala genannt, ragt märchenhaft in den Himmel

Allesamt sind sie tibetisch-buddhistische Klöster. Es gibt 2 große Hauptrichtungen: den Gelbmützenorden (=Gelugpa) und den Rotmützenorden (=Kargyüpa).

Seine Heiligkeit der 14. Dalei Lama ist Oberhaupt des Gelbmützenordens. Er besucht Ladakh jeden Sommer und wird in diesem Jahr in meinem Lieblingskloster in Thiksey residieren. Ich hoffe sehr, dass mir das große Glück beschert sein wird, ihn wiedersehen zu können. Es ist ein ganz magischer Moment, diesem außergewöhnlichen Menschen zu begegnen. Man spürt eine ganz besondere Energie und Glückseligkeit. Er wird im tibetischen Buddhismus als Bodhisattva des Mitgefühls gesehen und genau das spürt man, wenn man in seiner Nähe ist, diese kraftvolle Ausstrahlung der Menschlichkeit!

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Seine Heiligkeit der 14. Dalei Lama bei einer Predigt im Juli 2015

Die Klöster haben immer eine gleiche Grundstruktur. In jedem Kloster gibt es einen Innenhof, mindestens einen Versammlungsraum (=Dukhang), einen Figurenraum und einen Raum für die zornvollen Schutzgottheiten (=Gonkhang). An den Wänden aller Räume kann man jahrhundertealte, wunderschöne und zum Teil erstaunlicherweise gut erhaltene Wandmalereien betrachten. Ich stehe immer wieder staunend davor. Staunend darüber, welche wunderbaren, filigranen und eigentlich unergründlichen Kunstwerke damals entstanden sind und welch großes Glück es ist, dass wir diese heute noch bestaunen können.
Im Innenhof eines jeden Klosters finden die traditionellen Maskentänze während der Klosterfeste statt. Das ist immer ein besonderes Ereignis, zu dem sich die Einheimischen herausputzen und in ihren schönsten Trachten präsentieren. Absoluter Höhepunkt ist, wenn man das Auftreten eines Orakels im Kloster in Matho oder Stok erleben kann. Alleine dafür lohnt es sich schon, einmal im Winter zu kommen, wenn diese Spektakel stattfinden.

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Maskentanz beim Klosterfest in Hemis 2015

Die Atmosphäre in den Klöstern ist unbeschreiblich. Nirgends sonst verspüre ich solch einen tiefen Frieden. Woran es liegt? Es muss die einzigartige Melange sein –  aus der faszinierenden Landschaft, den uralten, sprechenden und lebenden Gebäuden und der bezaubernden Aura der meisten Mönche.
Es gibt einige Buddhastatuen, bei deren Betrachtung ich immer das Gefühl bekomme, dass sie mich betrachten…und es ist kein unheimliches Gefühl, sondern ein wohlig-warmes und angenehmes. Man muss nicht Buddhist sein oder werden, um solche Momente erleben zu können. Man muss die Magie, die von diesen Plätzen ausgeht, einfach nur auf sich wirken lassen und man verändert sich von selbst…

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Klöster in Ladakh – hier empfinde ich tiefen Frieden

 



Warum ich Ladakh so sehr liebe…

Warum ich Ladakh so sehr liebe…

Flug über den Himalaya. Wir haben ganz klare Sicht. Ich bin sehr aufgeregt. Die 9 Monate des Wartens haben endlich eine Ende.
Als ich den ersten Blick ins Industal erhasche und dann Kloster Spituk entdecke, steigen mir Tränen der Rührung und Vorfreude in die Augen. Es ist das vertraute Gefühl des Nachhausekommens.
Aber was hat dieses Land am Dach der Welt, dass ich mich hier um so vieles wohler fühle als an anderen Plätzen der Welt?

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Es ist der Frieden, den ich hier oben verspüre, der mich so glücklich macht!

Es ist der Frieden, den ich hier oben verspüre. Ladakh ist für mich ein Land ohne Aggressionen. Die Menschen gehen hier so gut sie können den buddhistischen Weg eines gewaltfreien und mitfühlenden Miteinanders. Selbst in Ladakhs Hauptstadt Leh, die mittlerweile stark gewachsen und chaotisch ist, wird man nie böse Worte, raunzende oder streitende Menschen beobachten können (und wenn doch, sind es sicher keine Ladakhis). Auf der Straße wird man von Einheimischen immer mit einem herzlichen „Julley“ begrüßt.
Natürlich sind die Menschen auch hier vor den Einflüssen, die Touristen und Medien mit sich bringen, nicht gefeit. Traditionen sind hier wie überall auf der Welt bedroht. Aber ich beobachte, dass viele auch junge Ladakhis bemüht sind, Traditionen zu erhalten. Ich hoffe, es wird ihnen gelingen.

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Momente, die beglücken und selig machen…

Die schönsten Begegnungen hier sind die mit den Mönchen. Für mich sind eigentlich alle Mönche hier wunderschöne Menschen, weil sie solch eine innere Ruhe, Frieden und Zufriedenheit ausstrahlen. Aber mitten unter ihnen gibt es immer welche, die ganz besonders sind. Wenn diese Mönche einen Raum betreten, beginnt alles zu leuchten. Sie strahlen so eine besondere Energie und ein Licht der Menschlichkeit und des Mitgefühls aus…Das sind einfach bezaubernde Momente. Ich mag dann einfach immer nur da sitzen und diese Mönche anschauen, ganz beglückt…

Die Landschaft ist außerdem atemberaubend. Wenn man einige Tage auf einem Trekking unterwegs ist, vergisst man den Rest der Welt komplett. Denn dieser Rest der Welt verliert hier an Bedeutung. Man ist einfach hier und Teil der Natur. Man bewegt sich zwischen 3.500 und 5.500 Metern und hat manchmal das Gefühl, dass man die Wolken angreifen kann, so nahe kommt man dem Himmel. Daraus ergibt sich dann ein erhabenes Gefühl, dass einen mühelos weitertreibt…

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Man ist einfach hier und Teil der Natur

Über die Jahre haben sich auch enge Bande gebildet. Wenn ich von meiner ladakhischen Familie spreche, ist das nicht nur so dahergeredet. Ich fühle mich ihnen sehr verbunden. Vielleicht habe ich eines meiner früheren Leben hier verbracht und kehre nur zu meinen Wurzeln zurück…

Es ist wie es ist und es ist gut so. Hier bin ich in Frieden und ganz bei mir. Und ich merke, wie ich mich mit jedem Aufenthalt hier weiter verändere und auch zu Hause in Europa versuche, an mir zu arbeiten und zu wachsen. Ich bin hier als Lehrerin der deutschen Sprache, aber meine Familie hier erteilt mir Lehren fürs Leben. Lehren über die buddhistische Philosophie und Lebensweise, über Geduld, Mitgefühl und Selbstlosigkeit.
Dankbar, neugierig und mit offenem Herzen genieße ich nun die vor mir liegenden Wochen in meinem Paradies. Und hege tief in meinem Herzen den Wunsch immer wiederkehren zu können…

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Ich genieße die Tage und Wochen in meinem Paradies, mit dem Wunsch immer wiederkehren zu können…

Julley!

 




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