Qanat – قناة – Wasser für die Wüste

Unser Roadtrip geht weiter. Wir sind auf der Strecke zwischen Tinghir und Erfoud, das heißt, wir kommen immer näher an den Rand der Sahara. Das Herannahen der Wüste macht sich durch kleinere Sandanhäufungen, kleine Dünen am Straßenrand bemerkbar. Dann taucht plötzlich etwas Befremdliches in der Landschaft auf. Es sieht aus wie überdimensionale Maulwurfhügel. Dann erinnert es  mich auch an die Termitenhügel in West- und Ostafrika. Wir schauen uns fragend an. Was ist das? Und es werden immer mehr, scheinbar systematisch in die Landschaft gesetzt.

IMG_0058new
Maulwurf- oder Termitenhügel? Wir sind ratlos…

Wir beschließen zu halten und dem Rätsel auf den Grund zu gehen. Zum Glück treffen wir sofort auf einen netten Berber, vom Stamm der Timarzite,  der so freundlich ist, unsere Neugier zu befriedigen. Bei den Hügeln handelt es sich um Aushubkegel einer sogenannten Qanat-Kette (auch Foggara, Faladsch oder Khettara genannt – je nach Region/Land, wo sie vorkommen). Qanat ist eine uralte, traditionelle Form der Frischwasserförderung in Wüstengebieten. Mir war dieses Bewässerungssystem bereits aus dem Iran bekannt, ich hatte es bisher jedoch noch nie in Marokko gesehen.

Die ersten Qanate wurden von den Persern vor ca. 3000 Jahren gebaut. Mit der islamischen Expansion brachten die Araber das System im 8. Jahrhundert bis nach Nordafrika und Südspanien! Qanat-Systeme werden seit jeher verwendet, um Wüstengebiete mit Frischwasser aus Bergregionen zu versorgen.

Qanat
Qanat – traditionelles Bewässerungssystem in Wüstengebieten

Um das Schmelzwasser aus den Bergregionen beziehen zu können, werden kilometerlange, unterirdische Kanäle angelegt. Am Rande eines Gebirges wird das Grundwasser angezapft (Mutterbrunnen) und dann durch den Tunnel geleitet. Dabei verläuft der Tunnel vom Mutterbrunnen über die vielen Schächte zum Qanat-Austritt in einem leichten Gefälle.

Die Hügel, die wir sehen, sind die Aushubkegel der in geringem Abstand voneinander angelegten Schächte. Diese Schächte haben weitere Funktionen. Sie erleichtern die Wartungsarbeiten am Tunnel, der regelmäßig von Schlamm und Sand gereinigt werden muss. Außerdem sorgen die Schächte für den nötigen Druckausgleich im Tunnel.

Unser netter Begleiter erklärt uns, dass jeweils ein Stamm für die Wartung einer Qanat-Kette zuständig sei. So sei er hier als Stammesmitglied für die Instandhaltung des Tunnels mitverantwortlich. Ihre Kette hier ist 15 Kilometer lang und bedeutet für ihn und seine Stammesmitglieder viel harte, aber lebensnotwendige Arbeit.

Dann fragt er uns, ob wir ihn in einen Schacht hinunter begleiten wollen. Wir sind sofort dabei und steigen mit ihm eine lange Treppe in die Tiefe hinab.

 

IMG_0078new
Im unterirdischen Kanal einer Qanat-Kette – spannend!

IMG_0080new

 

 

 

 

 

 

 

 

Wir gehen durch den dunklen Schacht. Dabei wird uns klar, wie viel Arbeit die Wartung des Tunnels für die Leute hier mit sich bringt. UND die Lebensnotwendigkeit und Wertigkeit von Trinkwasser kommt mir einmal mehr ins Bewusstsein. Wir Europäer, die nur den Wasserhahn aufdrehen müssen, vergessen das immer wieder: Ohne Wasser kein Leben! Wasser ist so ein hohes Gut und die Menschen hier müssen schwer dafür arbeiten, Trinkwasser und Wasser für die Felder zu bekommen.

Wir bedanken uns ganz herzlich für die Gastfreundschaft und die Erklärungen. Und setzen unseren Weg fort.  In einem Straßenrestaurant finden wir dann diese Karte, auf der man unsere Fahrtstrecke nachvollziehen kann:

IMG_0042newCut
Unser Weg führt uns heute von Tinghir nach Erfoud

Mehr Fotos von unserem Road-Trip gibt es hier:

https://www.facebook.com/caroline.ouederrou/media_set?set=a.10207015899328797.1019165353&type=3

Viel Spaß beim Lesen und Träumen und Traumreisen!

Bslama!

 




Kommentar verfassen