Marokkanische Gastfreundschaft und Lebensfreude

Kaum nach Europa zurückgekehrt, werde ich von Negativschlagzeilen und -meldungen über „DIE Muslime, DIE Ausländer, DIE Araber…“ erschlagen. In den Medien und auf der Straße wimmelt es nur so von Pauschalisierungen, davon was „DIE Muslime, DIE Ausländer, DIE Araber…“ denken und tun, wie sie angeblich „ticken“. Dies bedrückt mich sehr und ich möchte dem etwas entgegensetzen – meine Erfahrungen, Gedanken und Gefühle. Deshalb beginne ich meinen Blog mit einer Reihe von Berichten über meinen Aufenthalt in Marokko. Unsere Zeit der Negativberichterstattung braucht dringend positiven Input!

Außerdem leiden viele Menschen sehr stark unter diesen Pauschalisierungen! Jeder, der sich pauschalisierend, diskriminierend oder diffamierend über eine Nation, Volksgruppe, Ethnie oder Religionsgemeinschaft äußert, sollte dazu verpflichtet werden, zu reisen und Menschen eben dieser Nation, Ethnie usw. kennen zu lernen und sich ein eigenes, umfassendes Bild zu machen. Es gibt überall auf der Welt schwarz UND weiß, ABER man muss dazu bereit sein, zu sehen!

 

Die letzten Wochen habe ich in Marokko verbracht. Ich war in meiner Tätigkeit als Empowerment-Beauftragte für Weltweitwandern dort und habe unsere Reiseleiter unterrichtet. Und viel von ihnen gelernt. Denn Reisen, im Ausland arbeiten und leben, ist für mich immer Austausch, voneinander lernen, schenken und beschenkt werden. Und ich habe mich dort sicher, geborgen und geliebt gefühlt. Das hat mehrere Gründe, 2 sind dafür ganz entscheidend.

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Im Kreise meiner marokkanischen Studenten – glücklich, geborgen, geliebt

 

 

Marokkanische Gastfreundschaft 

Mit meinem marokkanischen „Bruder“ (der Cousin meines Ex-Mannes) mache ich eine kleine Reise am Ende meines Aufenthaltes. Wir haben uns 14 Jahre nicht gesehen! Die Wiedersehensfreude ist RIESIG, wir sind uns vertraut, als wären die viele Jahre der Trennung nie gewesen. Zuerst fahren wir nach Ouazarzate, dort wohnt seine Schwester, mit Mann und 3 Kindern, die ich noch nie gesehen habe. Wir kommen gegen Mitternacht an, Rachid hat uns telefonisch kurz angekündigt. Auch Bouchra habe ich 14 Jahre nicht gesehen, ihren Mann und die Kinder kenne ich noch nicht.

Als wir ankommen, schlafen alle schon, aber Bouchra und ihr Mann räumen sofort das Ehebett und überlassen es dem späten Gast. Der Mann wird ins Kinderzimmer verbannt, Bouchra nistet sich auf der Couch ein. Diese Geste wirkt für mich nicht aufgesetzt, übertrieben oder unangemessen. Hier ist das so. Ich kann es annehmen und kuschele mich in die flauschigen Decken. Alhamdullilah!

 

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Wiedersehen und Kennenlernen – aufregend!

Es ist für mich exemplarischer Ausdruck für die marokkanische Gastfreundschaft. Diese wird wirklich überall gelebt und ich empfinde es nie als gespielt oder unehrlich. Deshalb fühle ich mich auch immer richtig wohl und wie zu Hause. Natürlich trägt auch die marokkanische Kulinarik sehr viel zum Wohlgefühl bei. Wer schon einmal das Glück hatte, in einer marokkanischen Familie bewirtet zu werden, wird jedes Restaurant meiden. Einer meiner Studenten meinte: „Marokko ist ein Schlaraffenland“. Das Land ist wirklich unendlich reich an Farben, Gerüchen, Geschmäckern und  Düften. Ein Fest für die Sinne!

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Frühstück im Schlaraffenland

 

 

Marokkanische Lebensfreude

Marokkaner haben zwei Charaktereigenschaften, die sie besonders auszeichnen: die schon beschriebene Gastfreundschaft und die Lebensfreude. Was verstehe ich unter dieser Lebensfreude? Beispiel: Wir machen an unserem freien Tag einen Ausflug ins Ourika-Tal. Ein Minibus, 7 Marokkaner und 3 Tamburine, das heißt Musik, Gesang und Lachen auf der ganzen Fahrt und auch bei jedem kleinen Zwischenstop,  von der ersten bis zur letzten Minute!  Diese positive Energie ist wirklich ansteckend und beglückend.

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Lebensfreude, die ansteckt und beglückt!

 

Narürlich haben auch Marokkaner ihre alltäglichen Probleme und mal einen schlechten Tag…aber ich habe bisher nie erlebt, dass wirklich schlechte Stimmung herrschte. Sie versuchen stets fröhlich zu sein und positive Stimmung zu verbreiten. Das Leben ist wertvoll und schön – genießen wir dankbar jeden Augenblick!

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Das Leben einfach genießen!

 

Eine akustische Kostprobe dieser Lebensfreude findet ihr hier auf meiner Facebook-Seite:

https://www.facebook.com/caroline.ouederrou/videos/vb.1019165353/10206877941799945/?type=3&theater

Schönen Tag! Bslama und bis zum nächsten Mal!




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