Mein gelebter Traum – eine Zwischenbilanz

Vor Kurzem fragte mich einer meiner lieben Studenten: “ Lehrerin, was haben Sie auf all den Reisen gelernt? Was ist die wichtigste Erkenntnis? Können Sie das in 3 Worten zusammenfassen?“

Ich musste nicht lange überlegen, um eine klare Antwort geben zu können. Mit 3 Worten war es jedoch nicht möglich. Dieses Gespräch regte mich dazu an, meine Gedanken niederzuschreiben.

 

Erkenntnis Nummer 1: Man kann überall auf der Welt glücklich sein und sich zu Hause fühlen, wenn man Auge, Ohr und Herz immer offen lässt. Wenn man das Fensterl zum Herzerl offen lässt, fliegt das Glück auch hinein! 

Mir wurde immer wieder im Laufe der letzten Jahre – manchmal anklagend – die Frage gestellt, wovor ich denn davonlaufe. Es sei schließlich nicht „normal“ , dass ich wie eine Nomadin von einem Land ins andere ziehe. Warum soll dieses Nomadenleben nicht „normal“ sein? Was spricht dagegen? Woher kommt dieses negative Denken, ich würde vor etwas davon- statt auf etwas hinzulaufen? Habe ich mich dann immer wieder gefragt.

Ich weiß, dass man überall zu Hause sein kann, wenn man bei sich selbst zu Hause ist. Bei mir zu Hause sein, bedeutet für mich, dass ich frei bin, frei, mein Leben so zu gestalten, wie ich es möchte. Das bezieht sich nicht nur auf die räumliche oder die Arbeitssituation. Ich meine damit vor allem die innere Freiheit. Diese erlangt man durch aufstellen eigener Lebensprinzipien, über die man sich klar werden und sie dann auch verfolgen muss. Ich habe meine Lebensprinzipien, die da heißen: glücklich sein, mit einem offenen Herzen durchs Leben und auf alle Menschen zugehen, niemanden hassen, negative Gedanken möglichst vermeiden UND immer lachen und lieben!

Diesen Prinzipien folgend finde ich immer und überall offene Türen und Herzen und dann fühle ich mich wohl.

Zwar existiert für mich auch ein Heimatbegriff. Er ist für mich verbunden, mit dem Ort, an dem ich geboren und aufgewachsen bin, mit den lieben Menschen, Familie und Freunden dort, mit Erinnerungen, Bildern und Emotionen. Aber das Konzept „Heimweh“ liegt mir fern. Heimweh verspürte ich bisher bei meinen Auslandsaufenthalten wirklich noch nie. Warum Schmerzen empfinden, wenn man etwas Schönes im Herzen trägt? Ich freue mich, dass ich sie habe, die Heimat. Also empfinde ich Freude und Dankbarkeit und keinen Schmerz.

Warum Schmerzen empfinden, wenn man etwas Schönes im Herzen trägt?

 

Erkenntnis 2: Alle Menschen sind gleich

Ich habe nie Berührungsängste, wenn ich Menschen, egal welcher Herkunft, Religion, Kultur oder sonst was begegne. Deshalb kommt es auch immer wieder zu wunderschönen, unvergesslichen und oft auch unerwarteten Begegnungen, die mein Leben reicher und schöner und einzigartiger machen.

Ein lieber Freund sagte vor einiger Zeit zu mir: “ Caroline, du bist der gelebte Humanismus.“ Das war eines der schönsten Komplimente, die ich jemals bekommen habe. Ich werde es immer im Herzen tragen.

Gerade bei dieser zweiten Erkenntnis möchte ich einen Gedanken anfügen: Ich finde es wichtig, seine eigenen Überzeugungen immer wieder selbst auf die Probe zu stellen. Es ist ein Leichtes zu sagen: „Alle Menschen sind für mich gleich, ich begegne jedem auf Augenhöhe“. Es dann zu überprüfen, ob und wie man diesen Grundsatz wirklich lebt  und sich selbst zu beweisen, dass man es tatsächlich tut,  ist etwas Anderes. Und das waren für mich entscheidende Lebensmomente. Nicht nur in Worthülsen zu leben, sondern in gelebten Überzeugungen. Sicher auch ein Grund für meine grundsätzliche Lebenszufriedenheit.

Ich habe nie Berührungsängste, wenn ich Menschen, egal welcher Herkunft, Religion, Kultur oder sonst was begegne.

 

Erkenntnis 3: Auf Reisen lernt man Dinge, die man in Büchern nicht lesen kann

„Menschen machen keine Reisen – Reisen machen Menschen.“ Diese Aussage von John Steinbeck hat mich immer begleitet.

Bei meinem jetzigen Aufenthalt in Marokko habe ich mir immer mal wieder die Zeit zur Selbstreflexion genommen. Mir ist aufgefallen, dass sich in den letzten Jahren durch das Reisen einige wesentliche Dinge meiner Persönlichkeit tatsächlich verändert haben. Einige Einstellungen zum Leben haben sich gedreht.

Vor allem relativiert sich vieles. Grenzen verwischen immer mehr, weil man überall auf der Welt Parallelen und Ähnlichkeiten entdeckt. In manchen Dingen bleiben die Unterschiede jedoch auch klar und konstant oder bestärken sich auch. Man wird sich selbst klar über die genauen Umrisse seiner Persönlichkeit.

Zum einem sind es banale, äußerlich wahrnehmbare Veränderungen, wie zum Beispiel mein Kleidungsstil. Ich fühle mich in Kleidern, die ich vor Jahren getragen habe, nicht mehr wohl, habe meinen Kleidungsstil den Ländern, in denen ich lebte und lebe angepasst. Und ich finde, es ist stimmig.

Zum anderen sind es tiefer liegende Veränderungen, die mein Wesen betreffen. Dabei hatten die Aufenthalte im buddhistischen Ladakh mit Sicherheit den größten Einfluss auf mich. So kann ich einige Erfolge bzw. Fortschritte in meiner Persönlichkeitsentwicklung verzeichnen: Materielle Dinge verlieren zunehmend an Bedeutung; ich kann das Konzept des Mitgefühls immer mehr in mein Leben integrieren und negative Gedanken und Gefühle besser und häufiger vermeiden; ich möchte keine Menschen mehr hassen und bin viel ruhiger und sanftmütiger geworden; meine Einstellungen in Bezug auf Partnerschaften und Beziehungen haben sich auch verändert.

„Menschen machen keine Reisen – Reisen machen Menschen.“

 

Diese Erkenntnisse sind aber keine wirklichen Erkenntnisse. Vielmehr sind es Einsichten, die ich vorher schon hatte und die sich durch das Reisen nur bestätigt bzw. bestärkt haben.

Zum Schluss noch ein Gedanke zu meinem Lebenskonzept:

Ich bekomme immer mal wieder Zuschriften von Leuten, die mich und meine Art zu leben, meinen Traum zu leben, bewundern. Das sind oft Menschen, die mit ihrem Leben unzufrieden sind und davon träumen „auszubrechen“. Dieses bewundernde Hochschauen verursacht bei mir immer ein unangenehmes Gefühl. Denn es ist so einfach:

Es gehört nicht viel Mut dazu, seinen Traum zu leben. Ich hatte jedenfalls zu keiner Zeit das Gefühl, dass ich besonders mutig oder waghalsig bin. Es ist pure Neugier, die mich immer angetrieben hat. Neugier auf das volle Leben, auf die Menschen und die Natur. Man braucht nur Neugier und ja, auch Selbstvertrauen – das habe ich Gott sei Dank!

Ich denke, dass jeder seinen ganz eigenen Weg gehen kann, wenn er sich von den Einflüssen seiner Umgebung frei macht und wirklich in sich hineinhört, um zu erkennen, was ihn selbst glücklich macht bzw. glücklich machen könnte.

„Frei sein“ heißt für mich, sich selbst keine Grenzen zu setzen, weder im Denken noch im Fühlen. Und der Horizont lässt sich immer erweitern. Da hilft das Reisen ganz besonders dabei!

Also los! Lebt euren Traum – es gibt nichts Schöneres!

 




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