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Caroline Ouederrou

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Ahmad Alnajjar – das hilfsbereite Sprachtalent

Nicht erst seit der Flüchtlingskrise sind Ausländer, Migranten, Flüchtlinge  Thema in Medien und Diskussionen, öffentlich, privat, überall. Hinter diesen „Kategorien“ stecken Menschen, die einen Namen, ein Gesicht, ein Herz, eine Geschichte haben. Und genau das möchte ich einigen von ihnen geben: einen Namen, ein Gesicht, eine Geschichte und Aufmerksamkeit.

Durch meine Arbeit als DaF-Trainerin (Deutsch als Fremdsprache) und ÖSD-Prüferin (Österreichisches Sprachdiplom) bin ich in den letzten Jahren sehr vielen Menschen aus den unterschiedlichsten  Ländern der Welt begegnet. Jeder hat seine eigene, faszinierende Geschichte. Einige möchte ich hier in meiner Reihe „Portäts: MenschenGesichterGeschichten“ vorstellen.

 

Ahmad Alnajjar

Alter: 30 Jahre

Heimatland: Palästina

in Österreich seit: 13.12.2011

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Ahmad – das hilfsbereite Sprachtalent

Ahmad lernte ich vor circa eineinhalb Jahren kennen, als er bei mir in der mündlichen Prüfung für das Österreichische Sprachdiplom B2 saß. Ich war tief beeindruckt von seinem Sprachniveau. Nach so kurzer Zeit hier sprach er fast akzentfrei Deutsch. Ein Prüfungsgespräch dauert normalerweise 15-20 Minuten. Nach 26 Minuten machte mich meine Kollegin darauf aufmerksam, dass ich endlich aufhören müsse. Das Gespräch war einfach zu interessant und spannend. Ahmad war ein Mensch, über den ich einfach mehr wissen wollte. So setzten wir unsere Gespräche außerhalb der Prüfungsräume fort.

Geboren und aufgewachsen ist Ahmad als einer von 5 Söhnen in Abu Dhabi. Dort hatte er eine unbeschwerte und schöne Kindheit und Jugend. Sein Vater arbeitete in der HR-Abteilung im Wirtschaftsministerium. Der Familie fehlte es an nichts. Ahmad liebt das Leben am Meer. Eine seiner Leidenschaften war und ist Schwimmen.

2004 kam dann der Tag, der das Leben der ganzen Familie veränderte. Der Familienvater beschloss quasi von heute auf morgen zurück in die Heimat, nach Palästina, zu gehen. Für die 5 Kinder war das ein großer Schock. Zwar waren sie immer wieder für längere Ferienaufenthalte in Palästina gewesen, aber bis dato hatten sie keine emotionale Bindung an das Heimatland ihrer Eltern. Diskussionen waren jedoch nicht denkbar. Also übersiedelte die Familie nach Ghaza, wo der Vater in den vergangenen Jahren schon ein Haus gebaut hatte.

Diese Übersiedlung war eine Zäsur in Ahmads Leben. „Nun hatte ich eine richtige Heimat, nun wusste ich, was das Wort Heimat bedeutet.“ Ahmad entwickelte in den folgenden Jahren eine große emotionale Bindung an das Land seiner Familie. Er begann sich mit dem Land, der Kultur und der Geschichte zu identifizieren.

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„Nun hatte ich eine richtige Heimat. Nun wusste ich, was Heimat bedeutet.“ Foto von Ario Omidvar

Ahmad studierte in den kommenden Jahren an der „Al-Azhar-Universität Ghaza“ Englische und Französische Literatur und schloss 2009 mit dem Bachelor ab. Neben seinem Studium engagierte es sich all die Jahre in Friedensbewegungen. Doch durch seine aktive Teilnahme in einer  Organisation, die sich aus palästinensischen und israelischen Friedensaktivist_innen zusammensetzte, bekam er Probleme mit einer islamistischen Partei in Ghaza und musste das Land verlassen.

Im Dezember 2011 kam er mit seinem Cousin dann nach Österreich. Sie hatten gehört, dass es in Österreich noch nicht so viele Araber gab und sie deshalb vielleicht bessere Chancen haben würden als in Deutschland oder Belgien.

Seit eineinhalb Jahren arbeitet Ahmad im „Wien Museum“ als Aufseher. Doch das genügt ihm nicht. Das „Wien Museum“ bietet seit Kurzem kostenlose Führungen für Flüchtlinge an. Ahmad leitet diese Führungen in arabischer Sprache, unentgeltlich. Und auch sonst ist Ahmad immer zur Stelle, wenn jemand in seinem Umfeld Hilfe braucht, zum Beispiel als Übersetzer bei einem Spitalaufenthalt oder bei Behördengängen. Als ich ihn frage, wie er sich selbst mit einem einzigen Wort beschreiben würde, kommt nach langem Überlegen: hilfsbereit. Anderen zu helfen ist für ihn eine religiöse Verpflichtung. Aus Dankbarkeit dafür, was Gott ihm geschenkt hat und immer wieder schenkt, möchte er so gut er kann, anderen Menschen helfen.

Ich frage Ahmad nach seinen Träumen. „Ich möchte etwas machen, zum Beispiel Geige spielen oder backen und kochen, mit dem ich ein positives Bild meiner Heimat Palästina transportieren kann. Ich möchte in irgendeiner Weise mein Land repräsentieren.“ Seit Ahmad hier in Wien ist lernt er Geige spielen und er ist ein leidenschaftlicher Koch und kreiert die tollsten Torten- und Cupcake-Variationen. Vielleicht kann er in Zukunft seinen Traum verwirklichen und ein kleines Café oder Restaurant eröffnen, in dem er Spezialitäten aus seiner Heimat und Eigenkreationen servieren kann. Ein Stammgast wäre ihm jedenfalls schon sicher!

Einige von Ahmads Cupcake-Kreationen
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Er kreiert auch gerne Torten

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Auf meine Frage, was er hier am meisten vermisst, antwortet Ahmad mit strahlenden Augen: „Das Meer! Ohne das Meer kann ich nicht leben!“ In Zukunft möchte er die österreichische Staatsbürgerschaft beantragen. Dann wäre es für ihn auch wieder einfacher zu reisen. Nur seine Heimat, Palästina, wird er weiterhin nur in Gedanken, im Traum, bereisen können.

„Ich bin jemand, der nie aufgibt!“ Das glaube ich ihm aufs Wort. Ahmad ist ein Sonnenkind und ich bin davon überzeugt, dass er seinen Weg gehen wird. Ich wünsche es ihm jedenfalls von Herzen!

 



Gnawa – die Rhythmuszauberer

Als wir Merzouga und die Wüste verlassen, schlägt mir mein Begleiter Rachid vor: „Wir könnten noch die Gnawa-Musiker in Khamlia besuchen?!“ Ich bin begeistert! Ich kenne und liebe Gnawa-Musik, wusste jedoch nicht, dass die Musiker hier in der Gegend ansässig und zu finden sind UND, dass man sie besuchen kann!

Der Weg führt uns circa 10 Kilometer an Merzouga vorbei weiter in Richtung Südosten und schon sind wir in Khamlia. Das ist ein ganz kleiner Wüstenort im Schatten der großen, berühmten Erg Chebbi Düne. Alleine für diesen Anblick hätte sich die Fahrt hierher schon gelohnt! Ungefähr in der Mitte des Ortes sehen wir dann am Straßenrand das Schild: „Dar Gnawa“.

 

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Ankunft in „Dar Gnawa“ in Khamlia

Der Eintritt in „Dar Gnawa“ ist wie das Betreten eines kleinen Paradieses. Das Gnawa-Haus ist eine kleine Oase der Ruhe, des Friedens, der Farben und der Töne. Ich spüre eine besondere Energie und fühle mich sofort wohl dort. Wir setzen uns im Innenhof in den Schatten eines Olivenbaumes und Hamad Mahjoubi, der Leiter des Hauses, erzählt uns bei einem Tee ein bisschen über Khamlia und Gnawa.

Die Einwohnerschaft Khamlias setzt sich aus Berbern, Arabern und Mitgliedern verschiedener Stämme mit sub-saharischen Wurzeln zusammen. Letztere sind alles Nachfahren von Sklaven, die ursprünglich aus dem westlichen subsaharischen Afrika stammten. Einer dieser Stämme sind die „Bambara“. Und die werden auch „Gnawa“ genannt.

Die Bezeichnung „Gnawa“ stammt von dem Wort „Guinea“ ab und bezieht sich auf das Gebiet der heutigen westafrikanischen Staaten Mauretanien, Senegal, Niger und Mali. Im 11. Jahrhundert begann die Verschleppung Gefangener aus diesem Gebiet, die zur Sklavenarbeit auf Zuckerrohrplantagen nach Marokko gebracht wurden. Sie brachten ihre Musik mit und tradierten sie über Generationen.

Seither werden hierzulande unterschiedlichen Arten von Gnawa-Musik gespielt. Hier in Khamlia spielen die Bambara eine besondere und mittlerweile sogar weltweit bekannte und berühmte Art der Gnawa-Musik. Diese Musik ist sehr rhythmusbetont. Die verwendeten Instrumente sind folgende:

  • die 3-saitige Laute  „guembri“ oder „hajhouj“
  • Metallkastagnetten „qraqeb“
  • Trommeln „ganga“

 

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die typischen Gnawa-Instrumente: Metallkastagnetten und Guembri
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eine Gnawa-Trommel mit buntem Dekor

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Gesang ist eine sprachliche Melange aus den 3 Sprachen Arabisch, Berber und Bambara. Die Musik spielt eine sehr große Rolle im Alltag der Bambara. So nutzen sie zum Beispiel den Einsatz der Musik um Krankheiten zu heilen. Geübten Musikern gelingt es, sich durch die Musik in Trance zu versetzen. So erzählt es uns Hamid, beobachten können wir dies selbst bei unserem Besuch leider nicht.

Hier im Gnawa-Haus laufen auch einige Kinder herum. Sie werden schon früh in die Welt der Gnawa-Musik eingeführt, um die Traditionen zu bewahren. Jeder Besucher bekommt in „Dar Gnawa“ eine Darbietung ihrer tollen, einzigartigen und mitreißenden Musik zu sehen. Man kann dort auch Mittagessen. Am besten wäre es , denke ich mir, wenn man hier auch noch übernachten könnte, denn es ist wirklich ein kleines Paradies. Wir fühlen uns sehr wohl und willkommen hier!

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Gnawa-Musiker bei einer Darbietung mit Gesang und Tanz
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Gnawa-Musiker in traditioneller Besetzung

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wer mehr über „Dar Gnawa“, die Bambaras und ihre Musik erfahren möchte, kann auf ihre Homepage gehen (die momentan aber noch in Arbeit ist):

http://www.khamlia.com/

Auf meiner Facebook-Seite könnt ihr euch eine musikalische Kostprobe anhören:

https://www.facebook.com/caroline.ouederrou/videos/vb.1019165353/10206995628422037/?type=2&theater

Und auf meiner Facebook-Seite gibt es auch Fotos mit Eindrücken unseres Besuchs in „Dar Gnawa“:

https://www.facebook.com/caroline.ouederrou/media_set?set=a.10206996518724294.1073741928.1019165353&type=3

 

Ich hoffe sehr, dass ich auf einer meiner nächsten Marokko-Reisen noch einmal die Gelegenheit haben werde, „Dar Gnawa“ zu besuchen. Man hat dort die Gelegenheit, wie ich finde, etwas Einmaliges zu erleben und zu spüren. Ein Besuch dort ist absolut empfehlenswert!

 

 

 



Moulham Obid – der „verrückte“ Künstler

Nicht erst seit der Flüchtlingskrise sind Ausländer, Migranten, Flüchtlinge  Thema in Medien und Diskussionen, öffentlich, privat, überall. Hinter diesen „Kategorien“ stecken Menschen, die einen Namen, ein Gesicht, ein Herz, eine Geschichte haben. Und genau das möchte ich einigen von ihnen geben: einen Namen, ein Gesicht, eine Geschichte und Aufmerksamkeit.

Durch meine Arbeit als DaF-Trainerin (Deutsch als Fremdsprache) und ÖSD-Prüferin (Österreichisches Sprachdiplom) bin ich in den letzten Jahren sehr vielen Menschen aus den unterschiedlichsten  Ländern der Welt begegnet. Jeder hat seine eigene, faszinierende Geschichte. Einige möchte ich hier in meiner Reihe „Portäts: MenschenGesichterGeschichten“ vorstellen.

 

Moulham

 

Name: Moulham Obid

Alter: 25

Heimatland: Syrien

in Österreich seit: 22. Dezember 2013

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Moulham Obid – Maler und Modedesigner

 

Durch Zufall lernte ich Moulham vor circa einem Jahr kennen, weil ich einen Kollegen in seiner Gruppe vertrat. Es gibt Menschen, die man sofort ins Herz schließt. So ein Herzensmensch ist Moulham.

Moulham wusste schon sehr früh, dass er Künstler werden wollte. Obwohl seinen Eltern klar war, dass dies kein Karriereberuf wie zum Beispiel Arzt oder Unternehmer ist, erfüllten sie ihm seinen größten Wunsch. In Aleppo absolvierte er den Studiengang „Fine Arts“ und schloss ihn mit einem Bachelor of Arts ab. Und dann kam die Nacht, die Moulhams Leben drastisch veränderte.

Er war mit einer Freundin im Auto auf dem Nachhauseweg von der Uni als sie in eine Kontrolle von Leuten der dschihadistischen Al-Nusra-Front gerieten. Moulham hatte einige seiner Zeichnungen und Gemälde im Auto, darunter auch Aktmalereien. Die Fundamentalisten wollten ihn sofort mitnehmen, einer von ihnen wollte ihn  auf der Stelle erschießen, da sie glaubten, er sei Alawit (die Al-Nusra-Front hat sich zum Ziel gemacht u.a. die alawitische Minderheit in Syrien zu vertreiben). Der Name seines Vaters rettete ihn, da dieser ihn klar als Sunnit auswies. So ließen sie ihn laufen…Seinen Eltern war jedoch sofort klar, was dieser Zwischenfall für Moulham bedeutete. Sie beschlossen noch in derselben Nacht, dass er das Land so schnell wie möglich verlassen muss.

Das Verlassen seiner Heimat war ohnehin schon ein Thema in der Familie. Moulham hatte sein Studium abgeschlossen, was heißt, dass er nun den Militärdienst hätte antreten müssen. Und das hätte damals wie heute den sicheren Tod bedeutet. Also schien eine Flucht sowieso unumgänglich, darin war sich die ganze Familie einig.

Seine erste Station war Dubai, wo er jedoch nur 3 Wochen blieb. Von dort aus ging es weiter in den Libanon. Der Anfang war schwer, weil er niemanden kannte, es gab niemanden, der sich um ihn kümmerte. Dennoch ging er weiter auf seinem Weg, belegte einen Kurs in Grafikdesign, hatte sogar seine erste Ausstellung.

Im Dezember 2013 lud ihn ein Freund, der in Wien lebt, ein, ihn zu besuchen. Mit einem schwer erkämpftenTouristenvisum flog er dann nach Österreich, ohne die Absicht zu bleiben. Das änderte sich bald nach Moulhams Ankunft in Wien. „Überall ist Kunst – ich möchte hier bleiben!“, waren seine begeisterten Worte. Wien – hier war auch Gustav Klimt zu Hause und ist allzeit und überall präsent. Moulham arbeitete in seiner Abschlussarbeit für den Bachelor of Arts über eben Klimt. Es war, wie er sagt, „ein rein österreichisches Projekt“, Illustrationen zu Robert Schneiders Roman „Schlafes Bruder“ im Stil von Klimt. Dieses Wien muss ihm wie eine Verheißung erschienen sein! Also entschied er, zu bleiben. Schon nach 3 Monaten bekam er einen positiven Bescheid auf seinen Asylantrag.

Moulham bei der Arbeit
Moulham bei der Arbeit

Auch für ihn begann nun der lange, beschwerliche Weg des wirklich hier Ankommens mit dem Erlernen der deutschen Sprache. Zum Glück, denn sonst wären wir uns wahrscheinlich nicht über den Weg gelaufen!

Nach 3 Deutschkursen begann er dann im September 2015 an der Mode-und Kunstschule Herbststraße mit der Ausbildung zum Modedesigner. Und es läuft gut. Erst letzten Monat hatte er seine erste Ausstellung mit Bildern in Wien, eine Gemeinschaftsausstellung mit anderen Künstlern unter dem Titel „Art After Dark“. Und einer seiner Kleiderentwürfe wurde für ein Projekt der thailändischen Botschaft ausgewählt. Bei diesem Wettbewerb wurden aus 74 Einreichungen 24 Entwürfe ausgewählt. Moulhams Kleid wird bei der nächsten Vienna Fashion Week im September gezeigt werden!

Ich habe Moulham nach seinen Träumen gefragt. Seine Antwort:“RUHE …Ruhe um zu arbeiten, zu wohnen, mit Freunden zusammen zu sein.“ Er meint damit ein Leben ohne Probleme und Stress, wovon es leider momentan noch zu viel in seinem Leben gibt, zum Beispiel Rassismus bei der Wohnungssuche, der finanzielle Kampf ums Überleben und einiges mehr.

Was er hier vermisst? „Nichts außer meine engsten Freunde. Ich konnte nie der sein, der ich wirklich bin. Immer musste ich eine Maske tragen, außer wenn ich mit meinen Freunden zusammen war. Die waren genauso verrückt wie ich!“ Lachen und Wehmut und Sehnsucht sprechen gleichzeitig aus Moulhams Blick. Denn diese Heimat ist verschwunden und wird  nie mehr wiederkehren. Seine Freunde sind quer über den Erdball verstreut.

Ich bitte Moulham um die schwierige Aufgabe, sich selbst nur  mit einem Wort zu beschreiben. Die Antwort kommt ohne Nachdenken, wie aus der Pistole geschossen: VERRÜCKT! Wir lachen beide. Ich denke, dass man ein bisschen Verrücktheit braucht, um den Wahnsinn in unserer Welt ertragen zu können.

Moulham ist jedenfalls ein äußerst liebenswürdiger, verrückter, junger Künstler, der seinen Traum verfolgt und nicht aufgibt. Ich bin jedenfalls froh, ihn zu kennen und wünsche ihm alles erdenklich Gute – und Ruhe!

 

Wer den jungen Künstler und seine Bilder kennen lernen möchte, kann seine Facebook-Seite besuchen. Die Bilder können auch gekauft werden.

https://www.facebook.com/Moulham-obid-Art-103529899789713/?fref=ts

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Eine Auswahl von Moulhams Arbeiten

 

 



Leseliste Marokko

Belletristik:

Abouzeid, Leila: Eine Verstossene geht ihren Weg

Binebine, Mahi: Kannibalen

Byer, Doris: Essaouira, endlich

Choukri, Mohamed: Das nackte Brot

Chraibi, Driss:

  • Die Zivilisation, Mutter!
  • Ermittlungen im Landesinnern

Jelloun, Tahar Ben:

  • Yemma-meine Mutter, mein Kind
  •  Der letzte Freund
  • Der Gedächtnusbaum
  • Verlassen
  • Die Früchte der Wut
  •  Zurückkehren
  • Sohn ihres Vaters
  •  Eheglück

Khair-Eddine, Mohammed: Es war einmal ein glückliches Paar

Oufkir, Malika: Die Gefangene

Serhane, Abdelhak: Die schwarzen Jahre

Shah, Tahir: Im Haus des Kalifen – Ein Jahr in Casablanca

Taia, Abdellah: Der Tag des Königs

Toufiq, Ahmed: Nachbarinnen

 

Sachbücher

Mernissi, Fatima: Der Harem in uns

 



Die Wüste – الصحراء – assahra‘

„Die Wüste ist der Garten Allahs, aus dem dieser alles überflüssige menschliche und tierische Leben entfernt hat, damit es einen Ort gebe, wo er in Frieden wandeln kann.“ (arabisches Sprichwort)

Wer in der Wüste wandelt, wird Frieden empfinden. Zumindest ist mir es so widerfahren.

Die Wüste - ein Platz, wo man in Frieden wandeln kann.
Die Wüste – ein Platz, wo man in Frieden wandeln kann.

 

Wir sind auf dem Weg nach Merzouga, einem kleinen Ort im Süden Marokkos. Dorthin, wo die Wüste, die Wüstenlandschaft Erg Chebbi beginnt. Es ist 14 Jahre her, dass ich zum letzten Mal hier war. Ich bin aufgeregt, voll freudiger Erwartung. Als wir ankommen, ist es bereits tiefste Nacht. Die Dünen, die gleich hinter unserem Nachtlager aufragen, kann ich nur erahnen. Am sternenübersäten Nachthimmel sind Umrisse erkennbar, mächtig, erhaben. Ich spüre einen leichten Schlauer, denn ich weiß, was sich hinter diesen Schatten verbirgt.

Kaum irgendwo sonst auf der Welt ist der Sternenhimmel so wunderschön, so klar, so leuchtend wie hier. Nicht abgelenkt von künstlichen Lichtquellen. Ich genieße den aufregenden Anblick, an Schlafen ist sowieso kaum zu denken. Die Vorfreude kribbelt in mir, wie Ameisen, die über den Körper laufen.

Sonnenaufgang in der Wüste - magisch, faszinierend, wunderschön!
Sonnenaufgang in der Wüste – magisch, faszinierend, wunderschön!

Kurz nach 6 machen wir uns auf den Weg in die Dünenlandschaft, um dort, auf dem Kamm irgendeiner Düne den faszinierenden Sonnenaufgang zu erleben. Es ist etwas mühsam im Sand zu gehen, aber die Vorfreude und Neugier treibt uns schnell weiter. Langsam werden die Konturen auch klarer. Wo ist der schönste Platz, um den Sonnenaufgang zu genießen? Noch eine Düne weiter, und weiter…Bis wir mit der Sonne angekommen sind. Ganz alleine, keine anderen (sichtbaren) Lebewesen außer uns, keinerlei Geräusche, absolut NICHTS! Nichts außer dem atemberaubenden, unvergesslichen, zu Tränen rührenden Anblick. Ich bin überwältigt, glücklich, unendlich dankbar!

 

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Ich bin ganz bei mir und hier und frei!

 

Das wirklich ganz Besondere an der Wüste ist diese mögliche absolute Geräuschlosigkeit, wie wir sie in diesem Augenblick erleben – kein Rauschen des Windes, kein Vogelgezwitscher oder ähnliches, absolute Stille. Zuerst irritiert es mich einen winzigen Moment, dann verspüre ich etwas Wunderbares: vollkommenen Frieden!

Ich bin ganz bei mir und hier und frei!

Für Momente wie diese lohnt sich der weite Weg allemal. Momente, die man nicht vergisst, die prägen und verändern. Das Herz und die Sinne öffnen sich ganz weit für das Wunder des Lebens!

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Das Herz und die Sinne öffnen sich ganz weit für die Wunder des Lebens!

Wer mehr von der Wüste sehen möchte – hier ist der Link zu meinem Facebook-Album:

https://www.facebook.com/caroline.ouederrou/media_set?set=a.10207000962955397.1019165353&type=3

Also, macht Herz und Augen für die Schönheiten des Lebens ganz weit auf! Viel Freude dabei!



Marokkanische Gastfreundschaft und Lebensfreude

Kaum nach Europa zurückgekehrt, werde ich von Negativschlagzeilen und -meldungen über „DIE Muslime, DIE Ausländer, DIE Araber…“ erschlagen. In den Medien und auf der Straße wimmelt es nur so von Pauschalisierungen, davon was „DIE Muslime, DIE Ausländer, DIE Araber…“ denken und tun, wie sie angeblich „ticken“. Dies bedrückt mich sehr und ich möchte dem etwas entgegensetzen – meine Erfahrungen, Gedanken und Gefühle. Deshalb beginne ich meinen Blog mit einer Reihe von Berichten über meinen Aufenthalt in Marokko. Unsere Zeit der Negativberichterstattung braucht dringend positiven Input!

Außerdem leiden viele Menschen sehr stark unter diesen Pauschalisierungen! Jeder, der sich pauschalisierend, diskriminierend oder diffamierend über eine Nation, Volksgruppe, Ethnie oder Religionsgemeinschaft äußert, sollte dazu verpflichtet werden, zu reisen und Menschen eben dieser Nation, Ethnie usw. kennen zu lernen und sich ein eigenes, umfassendes Bild zu machen. Es gibt überall auf der Welt schwarz UND weiß, ABER man muss dazu bereit sein, zu sehen!

 

Die letzten Wochen habe ich in Marokko verbracht. Ich war in meiner Tätigkeit als Empowerment-Beauftragte für Weltweitwandern dort und habe unsere Reiseleiter unterrichtet. Und viel von ihnen gelernt. Denn Reisen, im Ausland arbeiten und leben, ist für mich immer Austausch, voneinander lernen, schenken und beschenkt werden. Und ich habe mich dort sicher, geborgen und geliebt gefühlt. Das hat mehrere Gründe, 2 sind dafür ganz entscheidend.

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Im Kreise meiner marokkanischen Studenten – glücklich, geborgen, geliebt

 

 

Marokkanische Gastfreundschaft 

Mit meinem marokkanischen „Bruder“ (der Cousin meines Ex-Mannes) mache ich eine kleine Reise am Ende meines Aufenthaltes. Wir haben uns 14 Jahre nicht gesehen! Die Wiedersehensfreude ist RIESIG, wir sind uns vertraut, als wären die viele Jahre der Trennung nie gewesen. Zuerst fahren wir nach Ouazarzate, dort wohnt seine Schwester, mit Mann und 3 Kindern, die ich noch nie gesehen habe. Wir kommen gegen Mitternacht an, Rachid hat uns telefonisch kurz angekündigt. Auch Bouchra habe ich 14 Jahre nicht gesehen, ihren Mann und die Kinder kenne ich noch nicht.

Als wir ankommen, schlafen alle schon, aber Bouchra und ihr Mann räumen sofort das Ehebett und überlassen es dem späten Gast. Der Mann wird ins Kinderzimmer verbannt, Bouchra nistet sich auf der Couch ein. Diese Geste wirkt für mich nicht aufgesetzt, übertrieben oder unangemessen. Hier ist das so. Ich kann es annehmen und kuschele mich in die flauschigen Decken. Alhamdullilah!

 

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Wiedersehen und Kennenlernen – aufregend!

Es ist für mich exemplarischer Ausdruck für die marokkanische Gastfreundschaft. Diese wird wirklich überall gelebt und ich empfinde es nie als gespielt oder unehrlich. Deshalb fühle ich mich auch immer richtig wohl und wie zu Hause. Natürlich trägt auch die marokkanische Kulinarik sehr viel zum Wohlgefühl bei. Wer schon einmal das Glück hatte, in einer marokkanischen Familie bewirtet zu werden, wird jedes Restaurant meiden. Einer meiner Studenten meinte: „Marokko ist ein Schlaraffenland“. Das Land ist wirklich unendlich reich an Farben, Gerüchen, Geschmäckern und  Düften. Ein Fest für die Sinne!

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Frühstück im Schlaraffenland

 

 

Marokkanische Lebensfreude

Marokkaner haben zwei Charaktereigenschaften, die sie besonders auszeichnen: die schon beschriebene Gastfreundschaft und die Lebensfreude. Was verstehe ich unter dieser Lebensfreude? Beispiel: Wir machen an unserem freien Tag einen Ausflug ins Ourika-Tal. Ein Minibus, 7 Marokkaner und 3 Tamburine, das heißt Musik, Gesang und Lachen auf der ganzen Fahrt und auch bei jedem kleinen Zwischenstop,  von der ersten bis zur letzten Minute!  Diese positive Energie ist wirklich ansteckend und beglückend.

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Lebensfreude, die ansteckt und beglückt!

 

Narürlich haben auch Marokkaner ihre alltäglichen Probleme und mal einen schlechten Tag…aber ich habe bisher nie erlebt, dass wirklich schlechte Stimmung herrschte. Sie versuchen stets fröhlich zu sein und positive Stimmung zu verbreiten. Das Leben ist wertvoll und schön – genießen wir dankbar jeden Augenblick!

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Das Leben einfach genießen!

 

Eine akustische Kostprobe dieser Lebensfreude findet ihr hier auf meiner Facebook-Seite:

https://www.facebook.com/caroline.ouederrou/videos/vb.1019165353/10206877941799945/?type=3&theater

Schönen Tag! Bslama und bis zum nächsten Mal!




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